Osteoporose- Darstellung eines Gelenks zur Veranschaulichung von Osteoporose

Inhalt

    Zum Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober erklären wir, woran Sie ein erhöhtes Risiko erkennen, wie Sie Ihre Knochendichte messen lassen können und was Sie selbst für starke Knochen tun können.

    Was ist Osteoporose?

    Bei Osteoporose (Knochenschwund) nimmt die Knochenmasse ab und die innere Bälkchenstruktur des Knochens wird löchrig. Der Knochen wird dadurch brüchiger. Typische Bruchstellen sind Wirbelkörper, Hüfte bzw. Oberschenkelhals, Handgelenk und Oberarm.

    Unsere Knochen werden ein Leben lang umgebaut. Bis etwa zum 30. Lebensjahr bauen wir Knochenmasse auf, danach überwiegt langsam der Abbau. Bei Frauen beschleunigt der sinkende Östrogenspiegel nach den Wechseljahren diesen Abbau deutlich. Osteoporose ist aber keine reine Frauenkrankheit: Auch rund jeder fünfte Mann erleidet im Laufe seines Lebens einen osteoporotischen Bruch.

    Erste Anzeichen: Darauf sollten Sie achten

    Vor dem ersten Bruch verursacht Osteoporose keine spezifischen Beschwerden. Es gibt aber Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten:

    • Sie sind kleiner geworden: Ein Größenverlust von 4 cm oder mehr kann auf unbemerkte Wirbelbrüche hinweisen. Tipp: Vergleichen Sie Ihre aktuelle Größe mit der Angabe in einem alten Reisepass.
    • Rundrücken: Ein zunehmend gekrümmter oberer Rücken entsteht oft durch eingesunkene Wirbel.
    • Hautfalten am Rücken: Schräg vom Rücken zu den Flanken verlaufende Falten („Tannenbaumphänomen“) sind ein typisches Zeichen.
    • Plötzliche, anhaltende Rückenschmerzen ohne erkennbaren Grund, zum Beispiel nach Heben oder Husten.
    • Ein Knochenbruch nach einem Bagatellsturz, also einem Sturz aus dem Stand oder weniger.

    Wer bereits einen solchen Bruch hatte, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Brüche – besonders im ersten Jahr danach. Trotzdem erhält in Österreich nur ein kleiner Teil der Betroffenen nach einem Bruch eine Osteoporose-Therapie. Sprechen Sie deshalb nach jedem „unerklärlichen“ Bruch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aktiv auf Osteoporose an.

    T-Score Skala beo Osteoporose mit Vergleich von Ultraschall an der Ferse und DXA- Knochendichtemessung.

    Risikofaktoren: Wer sollte besonders aufmerksam sein?

    • Frauen nach den Wechseljahren, besonders bei früher Menopause (vor 45)
    • Frauen ab 50 und Männer ab 60 bis 70 Jahren
    • Hüftbruch bei Mutter oder Vater
    • Untergewicht (BMI unter 20)
    • Rauchen und regelmäßig mehr als 2 Gläser Alkohol pro Tag
    • Wenig Bewegung, Stürze in letzter Zeit
    • Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie oder Laktoseintoleranz

    Pharmazeutisch wichtig: Wenn Medikamente die Knochen schwächen

    Ein Punkt, den wir in unserer Apotheke oft ansprechen: Manche Arzneimittel erhöhen bei längerer Einnahme das Bruchrisiko. Dazu zählen vor allem:

    • Kortison in Tablettenform (Glukokortikoide wie Prednisolon), bereits ab etwa 5 mg täglich über mehr als 3 Monate
    • Aromatasehemmer nach Brustkrebs und Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs
    • Magensäureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (z. B. Pantoprazol, Omeprazol) bei Dauereinnahme in hoher Dosis
    • bestimmte Antidepressiva (SSRI), Neuroleptika und Antiepileptika
    • Gerinnungshemmer vom Typ Vitamin-K-Antagonist (Phenprocoumon, Acenocoumarol) bei Langzeiteinnahme
    • Mittel, die müde oder schwindelig machen, etwa Schlaf- und Beruhigungsmittel – sie erhöhen das Sturzrisiko

    Setzen Sie diese Medikamente bitte niemals eigenmächtig ab. Oft überwiegt der Nutzen klar. Wenn Sie aber eines davon dauerhaft einnehmen, lohnt sich ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Knochengesundheit. Gerne werfen wir in unserer Apotheke gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf Ihre Medikamentenliste.

    Knochendichte messen lassen: Apotheke oder Radiologie?

    Die DXA-Messung beim Radiologen ist der Goldstandard. Bei dieser Niedrigdosis-Röntgenuntersuchung werden Lendenwirbelsäule und Hüfte gemessen. Das Ergebnis wird als T-Score angegeben. Er vergleicht Ihre Knochendichte mit jener gesunder junger Erwachsener. Die Weltgesundheitsorganisation teilt die Werte so ein:

    • T-Score von −1,0 und höher: normale Knochendichte
    • T-Score zwischen −1,0 und −2,5: Osteopenie, also eine verminderte Knochendichte
    • T-Score von −2,5 und niedriger: Osteoporose

    Der T-Score allein entscheidet aber nicht über eine Behandlung. Ärztinnen und Ärzte berechnen zusätzlich mit dem Rechner FRAX Ihr persönliches 10-Jahres-Bruchrisiko aus Alter, Risikofaktoren und Messwert.

    Wer zahlt? Mit ärztlicher Zuweisung und e-card übernimmt die Krankenkasse die DXA-Messung in einem Vertragsinstitut. Bei der ÖGK ist das etwa für Frauen ab 65 und Männer ab 70 vorgesehen, bei Risikofaktoren wie einer Kortison-Therapie auch früher. Die genauen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Versicherungsträger.

    Knochenmasse im Lebenslauf

    Osteoporose vorbeugen: Die 4 wichtigsten Säulen

     1. Calcium – am besten über die Ernährung

    Erwachsene brauchen rund 1.000 mg Calcium pro Tag. Gute Quellen sind Milch, Joghurt, Topfen und Hartkäse (30 g Emmentaler liefern etwa 300 mg), calciumreiche Mineralwässer mit mehr als 150 mg pro Liter (steht am Etikett), grünes Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl sowie Mohn und Sesam. Spinat und Rhabarber enthalten zwar Calcium, binden es aber durch Oxalsäure – der Körper kann es daraus nur schlecht aufnehmen.

    Reicht die Ernährung nicht aus, etwa bei Laktoseintoleranz oder veganer Ernährung, kann ein Calcium-Präparat sinnvoll sein. Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt.1 Mehr als 1.000 mg zusätzlich pro Tag sind dabei nicht besser. In unserer Apotheke beraten wir Sie gerne, welche Calciumverbindung und welcher Einnahmezeitpunkt zu Ihnen passen.

     2. Vitamin D – im Winter besonders wichtig

    Vitamin D bildet unsere Haut mit Hilfe von Sonnenlicht. In Österreich reicht die Sonne von etwa Oktober bis März dafür nicht aus. Fachgesellschaften empfehlen Erwachsenen 20 µg (800 IE) Vitamin D pro Tag; in den Wintermonaten ist eine Ergänzung meist sinnvoll. Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen und einer normalen Muskelfunktion bei.2 Das ist doppelt wichtig, denn kräftige Muskeln schützen vor Stürzen. Viele Kombinationspräparate enthalten zusätzlich Vitamin K, das ebenfalls zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt.2

    Achtung bei Gerinnungshemmern: Wenn Sie einen Vitamin-K-Antagonisten mit dem Wirkstoff Phenprocoumon oder Acenocoumarol einnehmen, verwenden Sie Vitamin-K-haltige Präparate bitte nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Vitamin K schwächt die Wirkung dieser Medikamente ab.

     3. Eiweiß und Magnesium nicht vergessen

    Knochen brauchen mehr als Calcium. Eiweiß ist Baustoff für Knochen und Muskeln: Empfohlen sind 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht, ab 65 Jahren mindestens 1 g pro Kilogramm. Bei 70 kg Körpergewicht sind das also rund 70 g Eiweiß täglich. Viele ältere Menschen erreichen das nicht. Gute Quellen sind Milchprodukte, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte und Nüsse. Auch Magnesium trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.3 Es steckt vor allem in Vollkorn, Nüssen, Samen und Hülsenfrüchten.

     4. Bewegung und Sturzvorbeugung

    Knochen wachsen mit ihren Aufgaben. Am wirksamsten ist eine Kombination aus Krafttraining mindestens 2-mal pro Woche, belastenden Bewegungen wie zügigem Gehen, Stiegensteigen oder Tanzen und Gleichgewichtsübungen – idealerweise täglich, zum Beispiel Zähneputzen auf einem Bein. Ein angeleitetes Training, etwa in einer Osteoporose-Gymnastikgruppe oder bei der Physiotherapie, bringt mehr als Üben auf eigene Faust.

    Da die meisten Brüche durch Stürze entstehen, lohnt ein Blick in die eigene Wohnung: Stolperfallen wie lose Teppiche entfernen, für gute Beleuchtung sorgen (auch nachts), rutschfeste Hausschuhe tragen und Haltegriffe im Bad anbringen. Lassen Sie auch Ihre Sehstärke regelmäßig prüfen.

    Tipps aus unserer Apotheke: Wenn Sie bereits Osteoporose-Medikamente einnehmen

    Osteoporose ist heute gut behandelbar. Damit die Therapie wirkt, kommt es auf die richtige Anwendung an:

    • Bisphosphonat-Tabletten (z. B. Wirkstoff Alendronsäure): morgens nüchtern mit einem großen Glas Leitungswasser einnehmen – kein Mineralwasser, Kaffee, Milch oder Saft. Danach mindestens 30 Minuten aufrecht bleiben und nichts essen. Das schützt die Speiseröhre und sichert die Aufnahme.
    • Calcium-Präparate zeitversetzt einnehmen: Calcium hemmt die Aufnahme von Bisphosphonaten, Schilddrüsenhormon (Levothyroxin), Eisen und manchen Antibiotika. Halten Sie mehrere Stunden Abstand – in unserer Apotheke sagen wir Ihnen gerne, wie viel genau bei Ihren Medikamenten.
    • Denosumab-Spritze: Den Termin alle 6 Monate unbedingt einhalten und die Therapie nie ohne ärztlichen Plan beenden. Ein abruptes Absetzen kann das Risiko für Wirbelbrüche stark erhöhen.
    • Zahnarzt informieren: Vor Zahneingriffen sollte Ihre Zahnärztin oder Ihr Zahnarzt wissen, dass Sie ein Osteoporose-Medikament erhalten. Eine gute Mundhygiene ist während der Therapie besonders wichtig.
    Osteoporose_NEM-EInnahmetipp

    Häufige Fragen zu Osteoporose

    Ab wann sollte ich meine Knochendichte messen lassen?

    Frauen nach den Wechseljahren und Männer ab 50 mit mindestens einem Risikofaktor sollten ihr Bruchrisiko ärztlich abklären lassen. Ohne Risikofaktoren übernimmt die Kasse die DXA-Messung meist ab 65 (Frauen) bzw. 70 (Männer).

    Kann man Osteoporose spüren?

    Vor dem ersten Knochenbruch meist nicht. Warnzeichen sind ein Größenverlust von 4 cm oder mehr, ein zunehmender Rundrücken und Brüche nach leichten Stürzen.

    Ist die Ultraschallmessung in der Apotheke genauso aussagekräftig wie die DXA?

    Nein. Sie ist eine schnelle Orientierung ohne Strahlung, aber keine Diagnose. Nur die DXA-Messung liefert den T-Score nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation.

    Reicht Milch trinken, um Osteoporose vorzubeugen?

    Calcium ist wichtig, aber nur ein Baustein. Genauso zählen Vitamin D, ausreichend Eiweiß, regelmäßiges Krafttraining, Sturzvorbeugung sowie der Verzicht auf Rauchen und viel Alkohol.

    Kann ich Calcium und Vitamin D einfach selbst einnehmen?

    In üblicher Dosierung ja, besonders wenn Sie über die Ernährung zu wenig aufnehmen. Wenn Sie Medikamente einnehmen oder schon einmal Nierensteine hatten, beraten wir Sie in unserer Apotheke gerne, welches Präparat und welcher Einnahmezeitpunkt passen.

    Unser Tipp zum Welt-Osteoporose-Tag

    Osteoporose lässt sich nicht immer verhindern – aber früh erkennen und gut behandeln. Sprechen Sie uns in unserer Apotheke an: Wir besprechen Ihre Risikofaktoren, prüfen Ihre Medikamente auf mögliche „Knochenräuber“ und beraten Sie zu Calcium, Vitamin D und der richtigen Einnahme Ihrer Therapie.

    Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung.

    Quellen

    Hauptquelle ist die aktuelle österreichische Osteoporose-Leitlinie aus dem Jahr 2024.

    1. Dimai HP, Muschitz C, et al. Osteoporose – Definition, Risikoerfassung, Diagnose, Prävention und Therapie (Update 2024). Leitlinie der Österreichischen Gesellschaft für Knochen- und Mineralstoffwechsel. Wien Klin Wochenschr 2024;136(Suppl 16):599–668. doi:10.1007/s00508-024-02441-2
    2. Gesundheitsportal Österreich: Knochendichtemessung. gesundheit.gv.at
    3. Kostenübernahme DXA durch die ÖGK: Angaben österreichischer Vertragsinstitute, z. B. Radiologie Hernals und Diagnosezentrum Donaustadt
    4. Österreichische Apotheker-Zeitung: Behandlungslücke bei Osteoporose in Österreich, 2025. oeaz.at
    5. Kanis JA, et al. European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporos Int 2019;30:3–44. doi:10.1007/s00198-018-4704-5
    6. Weaver CM, et al. Calcium plus vitamin D supplementation and risk of fractures: an updated meta-analysis. Osteoporos Int 2016;27:367–376. doi:10.1007/s00198-015-3386-5
    7. Watson SL, et al. High-intensity resistance and impact training improves bone mineral density and physical function in postmenopausal women with osteopenia and osteoporosis: the LIFTMOR randomized controlled trial. J Bone Miner Res 2018;33:211–220. doi:10.1002/jbmr.3284
    8. Cummings SR, et al. Vertebral fractures after discontinuation of denosumab. J Bone Miner Res 2018;33:190–198. doi:10.1002/jbmr.3337
    9. Deutsche, Österreichische und Schweizerische Gesellschaften für Ernährung: D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Calcium, Vitamin D, Protein).
    10. World Health Organization. Assessment of fracture risk and its application to screening for postmenopausal osteoporosis. WHO Technical Report Series 843, 1994.
    11. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. eur-lex.europa.eu

    HINWEIS ZU GESUNDHEITSBEZOGENEN ANGABEN

    1 Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt.
    2 Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei. Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei. Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
    3 Magnesium trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.

    Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden.

    Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

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